Leandro Grech im Gespräch mit FNS

Leandro Grech, 1980 geboren, Spitzname Leandro, ist ein ehemaliger argentinischer Fußballspieler. Grech spielte für verschiedene südamerikanische Clubs in seinem Heimatland Argentinien sowie in Chile und Bolivien.

Leandro Grech im Gespräch mit FNS

Leandro Grech sprach mit uns über sein neues Leben in Argentinien, seine Karriere beebdete er bei der SV Elversberg beendete.

FNS: Hallo Leandro! Herzlich Willkommen und einen schönen guten Morgen. Erst mal die Frage, geht es dir und deiner Familie gut?

Leandro Grech: Mir und meiner Familie geht es gut. Die argentinische Ausgangssperre ist etwas anders als in Deutschland. Wir sind seit 20. März in Quarantäne und in den ersten zwei Wochen durften wir nur in die Apotheke und in den Supermarkt einkaufen gehen. Es war für uns sehr anstrengend, da die Polizei überall war und man ohne einen wichtigen Grund sogar ins Gefängnis kommen konnte.

Corona hat ja die ganze Welt auf den Kopf gestellt, wie geht Ihr damit in Argentinien um?

Ich finde es traurig in Argentinien, da die Menschen, die Geschäfte haben, ihren Mitarbeitern keine Gehälter zahlen können. Die Stadt hat den Leuten Kredite gegeben, diese sind jedoch mit sehr hohen Zinsen behaftet. Es ist sehr chaotisch und ich finde, dass der Staat nicht so gut reagiert, wie in Deutschland.

Wie hast Du Dich nach der langen Zeit in Deutschland in Argentinien eingelebt?

Nach dem Umzug war es für die Familie nicht so einfach. Ich war bis Mitte August in Deutschland und ab dem 17. August fest in Argentinien. Meine Familie war schon seit Mitte Juli in Argentinien. Meiner Meinung nach sind Südamerika und Deutschland zwei verschiedene Welten. In Deutschland ist fast alles perfekt und sehr organisiert und man kann viel reden, was in Argentinien nicht der Fall ist. Für Mich ist das alles sehr neu. Wir waren die meiste Zeit nur als Urlauber in Argentinien. Es ist eine Umstellung für die Familie es ist alles anders für uns alle, eine komplett andere Welt.

Ich durfte über die Jahre deine liebgewonnene Familie kennenlernen und auch sehr OFT fotografieren, wie schwer war der Abschied für Sie aus Deutschland?

Der Abschied war für die Familie nicht einfach, da sie wussten, dass 2019 das Jahr für sehr große Entscheidungen war, die wir Treffen mussten. Sie hatten die Wahl länger in Deutschland zu bleiben oder nach Argentinien zu gehen. Sie hatten genug Zeit sich in Deutschland von ihren alten und neuen Freunden zu verabschieden. Trotz allem fanden sie alle, dass es eine gute und schöne Zeit war, die leider aber auch sehr traurig war. Ich war 13 Jahre in Deutschland, was für mich ein Drittel meines Lebens war und ich Deutschland sehr dankbar dafür bin. Ich war in verschiedenen Teilen von Deutschland, hauptsächlich Süden, Osten und Westen. Jeder Ort hatte für mich seine eigene Sache, Sprache und seinen Dialekt, aber jeder hat eine gewisse deutsche Mentalität. Es gab meiner Meinung nach schon kleine Unterschiede zwischen den Bundesländern, jedoch fand ich, dass jeder der Menschen freundlich und hilfsbereit zu mir war und die Familie ist sehr froh, solche Leute kennengelernt zu haben.

Ich habe mitbekommen, dass Du als Spieler noch sehr gefragt bist, in welchem Verein spielst DU zurzeit?

Leandro: habe mich in Argentinien auf meine zweite Karriere als Trainer fokussiert. Meine Prüfung hatte ich Mitte August absolviert, um meinen Trainerschein zu bekomme. Nun darf ich von den Bambinis bis zur Bundesliga in Argentinien Trainer sein. Diesen Kurs habe ich vor zwei Jahren übers Internet gemacht. Die Abschlussprüfung, bei der ich anwesend sein musste, ging eine Woche lang. Dabei habe ich alles überstanden, was sehr gut war. Ende Dezember habe ich mich zum Fußballspielen mit alten Freunden getroffen und bekam ein Angebot für die erste Mannschaft, welche in einer Regionalliga in Argentinien spielt, was ich aber ablehnte, da ich lieber zuerst mit Jugendlichen trainieren wollte, wie z.B. U17 oder U15. Ich wollte erst Profimannschaften trainieren, wenn ich mir sicher war, dass das Trainer-Sein was für mich ist. Meine Freunde redeten jedoch mit mir, dass ich ein guter, fitter und erfahrener Fußballer sei, was mir den letzten Anstoß gab, weshalb ich mich im März entschied, wieder eine Saison mitzuspielen. Nach dem ersten Spiel kam die Geschichte von Corona, weshalb die Saison pausiert.

Wie ist der Stand bei deinem A – Lizenz Trainerschein?

Mein Wunsch war, in Argentinien eine Art Trainingscamp zu machen, welches ca. 3 Wochen dauern sollte und drei Mal in der Woche stattfinden sollte. Das Training sollte jeweils eine Stunde dauern und für arme Leute zwischen 12 bis 20 Jahren sein, die sonst nicht die Möglichkeit hätten, an einem Camp teilzunehmen. Dies will ich vielleicht nach Corona noch in Angriff nehmen.

Was waren deine schönsten Zeiten aus sportlicher Sicht in Deutschland?

Meiner Meinung nach war die schönste Fußballzeit in Deutschland die, in der der Trainer Ralph Hasenhüttl im ersten Jahr in der dritten Liga bleiben wollte und in dem zweiten Jahr nach oben greifen wollte, um unter die Top 5 zu kommen. In dem ersten Jahr sind wir schon in die zweite Bundesliga aufgestiegen, was für alle zwar sehr überraschend war, aber seine Begründung war, dass die Leute einfach eine gute Mannschaft waren, was nicht nur vom Spielen, sondern auch von den Menschen abhing. Er hat zu ein paar der Spielern noch guten Kontakt. Für mich war dies eine schöne Saison mit gutem Ende.

Manche Männer habe schon Stress mit einer Frau, Du hast gleich DREI Zuhause (Lach), ist das alles nur mit deinem starken Glauben an Gott zu schaffen?

Ich bin Gott auch sehr dankbar dafür, dass er mir so eine Frau und zwei Töchter geschenkt hat. Ich habe einen starken Glauben und ich glaube an das, was die Bibel sagt. Ich finde auch, dass Jesus der einzige Weg ist, um zu Gott zu gelangen. Durch meine Gebete und das lesen der Bibel will ich die Beziehung zu Gott stärken.

Leandro, Rückblickend auf deine sportliche Karriere, würdest Du alles wieder so machen oder was hättest DU lieber sein gelassen?

Am Anfang als ich in der Bundesliga in Argentinien vor mehreren tausend Leuten spielte, hatte ich diesen Glauben noch nicht. Damals war ich viel mit Freunden unterwegs und habe auch Party gemacht. Fußball war damals schon wichtig für mich, jedoch hauptsächlich wegen der Popularität. Für mich war das der größter Fehler, da so viel Zeit verloren gegangen ist. Nun steht für mich Gott an oberster Stelle. Nach meiner Karriere möchte ich mit armen Kindern arbeiten, um auch ihnen Kraft und Hoffnung zu geben.

Letzte Frage. Leandro Grech würde nach dem Profifußballspielen gerne Was machen?

Leandro: ich versuche den Kindern Hoffnung zu geben, damit sie sich mit dem richtigen Fundament und Gottes Hilfe eine Zukunft aufbauen können.

Ich bedanke mich ebenfalls und wünsche Dir und deiner Familie viel Gesundheit und Erfolg in eurer neuen Heimat

Vielen Dank an Hanna Kettenhof und Michael Scholl für Ihre Mithilfe.

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