Florian Fromlowitz im Interview mit FNS über seine Zeit als Profi und vieles mehr

Nicht nur der Fußball ist durch die Beschränkungen, die der Corona-Virus mit sich bringt stark eingeschränkt. Allgemein sieht der Alltag vieler Menschen, deren Berufsgruppen momentan pausieren, etwas anders aus als sonst, auch bei Florian Fromlowitz.

Florian Fromlowitz im Interview mit FNS über seine Zeit als Profi und vieles mehr

Landstuhl. Dass der Fußball durch den Corona-Virus aktuell pausiert und viele Profifußballer daher aktuell ihrer Arbeit nicht nachgehen können, wurde bereits mehrfach berichtet. Aber auch viele andere Berufsgruppen haben unter der Situation zu leiden. Wie sieht es also bei den ehemaligen Bundesliga-Profis aus, deren Hauptbeschäftigung nicht mehr der Fußball ist? Wir haben mit Ex-Fußballprofi Florian Fromlowitz gesprochen und uns von ihm seinen Alltag und vieles mehr schildern lassen.

Hier der Link zum ersten Teil des Interviews:

https://fns-saarland.o-ha.news/interviewserie-mit-ex-fussballprofi-florian-fromlowitz-florian-fromlowitz-im-interview-mit-fns-ueber-seine-zeit-als-profi-und-vieles-mehr_0jo

Teil 2 der Interviewserie:

2011/2012 hast du Hannover verlassen und dich für ein Jahr dem MSV Duisburg angeschlossen. Warum nur ein Jahr?

Nach drei Jahren in Hannover habe ich eine neue sportliche Herausforderung gesucht, da ich hinter Zieler nur noch die Nummer 2 war, wir aber eigentlich ein super Jahr mit Hannover hatten und auch in die Europaleague gekommen sind. Im Nachhinein betrachtet war dies der erste Fehler von mir, sofort die Flucht zu ergreifen. Ich hatte auch die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Diesen Schritt habe ich allerdings nicht gewagt, sondern ich habe den sicheren Weg, 2. Liga mit Duisburg gewählt, um Spielpraxis zu sammeln. Dies ging zu Beginn auch auf und meine Leistung war konstant gut, nur der sportliche Erfolg mit der Mannschaft blieb aus. Das wurde dann auch zu meinem Verhängnis. Unser Trainer Sasic wurde gefeuert, der mich unter anderem durch Kontakt mit Gerry nach Duisburg geholt hatte. Der damalige Torwarttrainer Olli Reck wurde Trainer und nahm mich nach vier Spielen raus. Damit war ich dann auch dort ohne weitere Chance und entschied mich nach einem Jahr dazu, meinen Vertrag aufzulösen, der eigentlich über zwei Jahre ging. Dann habe ich mich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu einem Wechsel nach Dresden bewegen lassen, der sehr hektisch und vielleicht auch nicht die richtige Entscheidung war. Ich hatte dort privat zwei schöne Jahre, allerdings sportlich keine Perspektiven.

Nach Dresden konnte man dich im Tor von Wehen Wiesbaden sehen. Dein schönstes Erlebnis mit dem heutigen Zweitligisten?

Auch in Wiesbaden hatte ich sportlich gesehen eine sehr schwierige Zeit, in der ich wenig gespielt habe. Es gab nur wenige Erfolgserlebnisse, eines davon war unter anderem die erste Pokalrunde gegen meinen Ex-Verein den FCK. Dort scheiterten wir knapp im Elfmeterschießen und verpassten die Sensation.

Dann kam die Zeit mit der Vereinslosigkeit, ca. zwei Monate, was hast du in dieser Zeit ohne festen Verein gemacht?

In dieser Zeit habe ich mich unter anderem beim FK Pirmasens und auch zwei Wochen bei Fortuna Düsseldorf über einen Kontakt durch meinen Berater fit gehalten, was mir zu diesem Zeitpunkt sehr gutgetan hat. Dann kam die Anfrage vom FC Homburg und ich entschied mich ohne groß zu Überlegen aufgrund der Spielpraxis und der Nähe zur Heimat dazu, den Weg zu gehen und dem Verein zu helfen.

Denkst du denn persönlich, dass im Bereich des Profi-Fußballs an der Zeit wäre umzudenken? Beispielsweise bezogen auf finanzielle Aspekte, den enormen Leistungsdruck, etc.?

Man muss auch den Weg mit der Zeit gehen. Ich denke, dass der Druck und der finanzielle Aspekt sowieso immer gestiegen sind in den letzten Jahren und auch das die Geschlossenheit der Mannschaft und der Spaß am Fußball ein bisschen zurückgegangen sind. Trotzdem leben wir in einer Leistungsgesellschaft, bzw. ein Leistungssport, der auch dementsprechend honoriert wird und die Jungs das ja auch wissen und annehmen müssen. Da gilt es dann auch manchmal, die Maske aufzuziehen und Interviews auch trocken und einfach vom Verein abgesegnet abzuspulen. Das ist etwas, das mir persönlich fehlt. Dass wieder Typen in den Sport kommen, die auch mal ihre Meinung sagen, auch mal anecken, das macht den Sport auch aus und ist für die Leute greifbarer. Das ist leider ein bisschen abhandengekommen. Das liegt aber auch an der ganzen Geschwindigkeit, die das mit sich bringt. Ich glaube auch nicht, dass es möglich ist, diese Situation wieder in die Vergangenheit zu bringen.

Kommen wir mal auf das Saarland zu sprechen. Wie bist du als gebürtiger Pfälzer mit dem Dialekt klargekommen?

Das mit dem Dialekt war für mich gar kein Problem! Von den Jungs kannte ich teilweise ja auch schon ein paar, man hat sich mal gesehen oder die Wege haben sich gekreuzt im Fußball. Da spricht man dann sowieso eine Sprache. Mir war das eigentlich auch immer eine Herzensangelegenheit auch dort im Verein, es hat mir sehr gefallen, wir haben immer Späße gemacht über die Pfälzer und die Saarländer. Aber wir sind alle ein Volk und der Dialekt hat für mich nie eine Rolle gespielt, man nimmt das so wie es ist. Und es hat uns auch ab und zu mal Spaß gemacht, Hochdeutsch zu sprechen.

Was hat Dir persönlich im Saarland am besten gefallen?

Was in Erinnerung geblieben ist, sind die Derbys gegen Elversberg und Saarbrücken. Das spricht auch für das kleinste Bundesland in Deutschland, dass diese Vereine relativ nah liegen und so für viel Zuschauerandrang und Euphorie gesorgt haben. Das waren auch mit die schönsten Spiele und bleibt einem auf jeden Fall in Erinnerung.

Für uns Saarländer gilt: „Hauptsach Gudd Gess!“ Lyoner oder lieber eine andere saarländischen Spezialität?

Lyoner essen meine Kinder auch alle sehr gerne

Nun wieder zu deiner sportlichen Karriere. Im Trikot des DFB hast du alle Jahrgänge ab der U16-Mannschaft bis zur U21-Mannschaft durchlaufen. Welches Gefühl ist es, wenn man das erste Mal als junger Nachwuchstorwart neben einem großen Profiverein, auch den „Adler“ und die deutsche Flagge auf seinem Trikot tragen zu dürfen?

Ich bin natürlich sehr gerne für die U-Nationalmannschaften aufgelaufen, das war immer was ganz Besonderes. Gerade schon ab der U-16, wo es schon mit offiziellen Spielen losging für die deutsche Nationalmannschaft. Das war natürlich was ganz Besonderes und wird man auch nie vergessen. Wir hatten auch immer gute Jahrgänge, das heißt dass es immer einen ganz starken Kader gab, der uns dann auch 2009 mit der U-21 in Schweden zum Europameister gemacht hat. Dort durfte ich hinter Manuel Neuer die Nummer 2 sein, mit dabei war auch mein Ex-Kollege Tobias Sippel, Mesut Özil, Jerome Boateng, Mats Hummels, da kann man ganz, ganz viele Leute nennen, die da dabei waren und uns mit zum Titel geführt haben. Ein Teil davon gewesen zu sein war eine Ehre und etwas ganz Besonderes.

Kannst du den jungen Torhütern von Heute Tipps mit auf den Weg geben?

Gerade für die jüngere Generation, denke ich, sollte auch immer die Vorbildfunktion gelten. Das heißt, dass man Fußball als Privileg sehen muss, wenn man dann so weit kommt und das Ganze so ausleben kann, wie ich und sein Hobby zum Beruf machen zu können. Man sollte auch jede freie Minute nutzen. Ich würde den Jugendlichen aber auch auf jeden Fall raten, immer auch den zweiten Weg im Auge zu behalten und sich auch neben dem Fußball ein Standbein aufbauen. Ich habe selbst auch gemerkt, wie schnell es wieder in die andere Richtung gehen kann. Da muss man einfach drauf gewappnet und auch abgesichert sein, weil nicht jeder da Ganze schaffen kann. Die Pyramide wird immer spitzer nach oben, Vereine sichten mehr, scouten mehr, es gibt immer mehr Jugendliche, die um diese Plätze kämpfen. Zu meiner Zeit war es schon noch mit den U-Nationalmannschaften ein gewisses Sprungbrett, was es heute nicht mehr sein muss. Deshalb muss man immer auf der Hut sein und den zweiten Weg mitverfolgen, um abgesichert zu sein.

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