Schiedsrichter wird von Schiedsrichterausschuss gesperrt

Vor einigen Wochen sorgten die Saar-Schiedsrichter für Aufruhr im saarländischen Fußball, indem alle Schiedsrichter am Wochenende des 13.-15. September in einen geordneten Streik getreten sind.

Schiedsrichter wird von Schiedsrichterausschuss gesperrt

Vor einigen Wochen sorgten die Saar-Schiedsrichter für Aufruhr im saarländischen Fußball, indem alle Schiedsrichter am Wochenende des 13.-15. September in einen geordneten Streik getreten sind.

Im gesamten Saarland wurden alle Spiele abgesagt und alle Schiedsrichter wurden von Innenminister Klaus Bouillon als Dank für ihre geleistete Arbeit zu einem Grillfest eingeladen. Was auf den ersten Blick wie eine sinnvolle Maßnahme erscheint um auf die Missstände und Übergriffe von denen die Schiris betroffen sind, aufmerksam zu machen, erscheint auf den zweiten Blick nur als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Mittlerweile redet kaum jemand mehr über den „Streik“, für die meisten Kicker war es ein spielfreies Wochenende, an dem man sich anderen Dingen widmen konnte und der Schiedsrichterstreik ist längst in Vergessenheit geraten.

Für Oliver Thome, Schiedsrichter aus Wadern war der angeordnete Streik nur ein „simpler PR-Gag“ mit dem der Verbandsschiedsrichterausschuss und der SFV auf die vermehrten Übergriffe aufmerksam machen wollten.

Für Thome war dieser Streik nicht weitreichend genug um die benötigte Aufmerksamkeit zu erhalten. So forderte er in einem Rundschreiben an seine Schiedsrichterkollegen aus dem Schiedsrichterkreis Westsaar zu weiteren Maßnahmen auf, bei denen unter anderem weitere Spiele boykottiert werden sollten, um sich solidarisch mit dem verletzten Schiedsrichter zu zeigen, der am 24. August bei einem C-Jugend Spiel in Brotdorf von dem Vater eines Spielers krankenhausreif geschlagen wurde.

Die Spiele sollten vor allem unangekündigt boykottiert werden, da so eine größere Wirkung bei den direkt betroffenen Spielern, Vereinen und Zuschauern stattfindet. Wenn ein Schiedsrichter etwa nach 15 Minuten vom Platz geht, hat dies eine ganz andere Wirkung für die anwesenden Personen wie ein abgesagtes Spiel, bei dem sogar der Nachholtermin schon feststand und man schon mehrere Tage vorher wusste, dass es abgesagt wird.

Anstatt sich aber nun mit der Aussage von Oliver Thome kritisch auseinanderzusetzen und seine Idee aufzunehmen oder zumindest in Betracht zu ziehen, wurde er vom Kreisschiedsrichterausschuss bis Februar 2020 gesperrt und vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Als Grund hierfür gab Volkmar Fischer, Vorsitzender des saarländischen Schiedsrichterausschusses an, dass man solche Einzelaktionen nicht dulde und den Vereinen durch solche Aktionen ein materieller Schaden entsteht.

Der Aufforderung in dem Rundschreiben ist kein anderer Schiedsrichter nachgekommen und es bleibt auch fraglich, ob es überhaupt zu solchen Ausständen gekommen wäre aufgrund des Schreibens.

Lediglich Oliver Thome wurde vom Verband und Schiedsrichterausschuss für eine getätigte Aussage, in der er seine eigene Meinung zum Streik seinen Kollegen kundgegeben hat, für mehrere Monate gesperrt.

Hier stellt sich nun die Frage, ob dem Verband und vor allem dem Schiedsrichterausschuss das Wohlergehen der Schiedsrichter wichtiger ist, als dass ein Verein kleine Einbußen bei den Einnahmen durch etwaige fehlende Essens- und Getränkeverkäufe hat.

Es zeigte sich für mich nur einmal mehr eines der großen Probleme im SFV und bei den Schiedsrichtern. Man verwehrt sich vehement neuen Ideen und Vorschlägen und die Alteingesessenen in Vorstand und Führungspositionen gehen den Weg des geringsten Widerstands. Man hat es ja schon immer so gemacht und es hat funktioniert. Dass es aber mittlerweile nicht mehr so funktioniert, zeigt die Zahl von insgesamt 2906 Übergriffen auf Schiedsrichter im Amateurfußball in Deutschland in der Saison 2018/19. Hierbei handelt es sich lediglich um die notierten Übergriffe im Spielbericht, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher.

Man sollte über wesentlich drastischere Strafen für die Angreifer nachdenken, da diese einzig und allein dem Fußball schaden. Solche Spieler, Trainer, Betreuer, Zuschauer oder Eltern von Jugendspielern haben auf keinem Fußball der Welt etwas verloren. Egal wie die Leistung eines Einzelnen ausfällt, es sollte immer ein respektvoller Umgang miteinander herrschen. Wer das nicht versteht oder verstehen will, soll dem Fußballsport fernbleiben. So lange dies aber nicht passiert, wird es immer wieder zu Übergriffen auf Schiedsrichter kommen, bei denen diese teilweise schwer verletzt werden.

Gäbe es aber zum Beispiel mehrjährige oder gar lebenslängliche Sperren oder Sportplatzverbote, würde es wahrscheinlich bei vielen zu einem Umdenken kommen und man überlegt sich zwei Mal, ob es einem wert ist den Schiedsrichter tätlich anzugreifen und eine solche Sanktion riskiert.

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